ADHS, das Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätssyndrom nennt unser Klassifikationssystem eigentlich "Hyperkinetische Störung", die eine neuronale und mentale Entwicklungsstörung mit Beginn im Kindes- und Jugendalter ist. Dass sich ADHS nicht grundsätzlich "verwächst", wie man lange Zeit annahm, konnte in zahlreichen Studien bereits in den 1990-er Jahren aufgezeigt werden. Ca. zwei Drittel der Betroffenen zeigt noch im Erwachsenenalter einige Symptome; bei 45,7% persistierte sogar das klinische Vollbild einer ADHS bis in das Erwachsenenalter.

 Nicht immer, aber in vielen Fällen treten weitere Probleme auf, z. B. Störungen der Affektregulation, Substanzmissbrauch, Störungen des Selbstkonzepts und der Interaktion. Diese Problembereiche können sich zum Teil als komorbide Störungen manifestieren, das heißt viele Betroffene erhalten erst dann psychologische oder psychiatrische Hilfe, wenn sie sich aufgrund einer Depression oder Angststörung oder sonstigen Belastungen vorstellen.

Die Symptomatik einer ADHS im Erwachsenenalter ist sehr vielseitig und unterscheidet sich nicht nur bezüglich der Symptomatik im Kinder- und Jugendalter, sondern auch hinsichtlich des Geschlechts. So kann die Ausprägung der noch vorhandenen Einschränkungen im Alltag der betroffenen Erwachsenen enorm und quälend sein, aber auch nur als ein diffuses "alles ist irgendwie anstregend, ich fühle mich überfordert" wahrgenommen werden. Häufig erleben wir, dass die Hyperaktivität und Impulsivität von außen betrachtet abnimmt, tatsächlich wird sie allerdings meist jedoch internalisiert. Dies kann sich als Gefühl von Rastlosigkeit oder innerer Unruhe bemerkbar machen, während hingegen die Aufmerksamkeits- und Konzentrationsproblematik meist im Laufe des Lebens recht konstant erhalten bleibt. In einer extremen Ausprägung kann sich dies als dauerhaft ineffektives Arbeitsverhalten zeigen, Arbeitsverhältnisse oder Ausbildungen / Studiengänge können nicht aufrecht erhalten oder zuende gebracht werden, werden zum Beispiel übermäßig häufig gewechselt, oder es zeigen sich wiederholte berufliche oder familiäre / partnerschaftliche Konfliktsituationen.